Das ausgelassene Lachen erfüllte die Blumenwiese und brachte die Sonne dazu heller zu strahlen, als freue sie sich mit. Der Wind zerstauste verspielt die halblangen, lockigen und braunen Haare die wie Haselnüsse schimmerten. Von gleicher Farbe waren die Augen des Jungen, offen und neugierig, schelmisch und unschuldig und frei von der Last der Verantwortung, die so manches Mannes Blick zeichnet.
Mit Eifer jagte er dem Mann hinterher, sprang mit der Ungestümtheit der Jugend über Steine und Stämme und es schien als duckte sich das Gras vor ihm, um ihm das Fangen des Mannes zu erleichtern.
Stille hatte sich über die Höhle gelegt und die kleine Flamme einer Kerze war das einzige Licht, das zögerlich, beinahe verschreckt an den Wänden entlangzuckte als habe es Angst davor ihnen zu nahe zu kommen. Staub schwebte leise durch die Luft und senkte sich auf den Jungen herab, sanft und weich und sachte, als hätte die Höhle selbst ein Leichentuch gewebt.
Die leeren Augenhöhlen starrten dem Mann ausdruckslos entgegen und blickten doch durch ihn hindurch. Der Schädel bröckelte in seinen Fingern und je mehr er verzweifelt versuchte den kahlen Knochen zusammenzuhalten, desto schneller zerfiel er mit einem Geräusch, dass an ein qualvolles Seufzen erinnerte und die Stille der Höhle nur kurz unterbrach, bevor es wieder von dieser verschlungen wurde.
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Neugierig wurde der Ringe zwischen den Fingern hin und her gewendet. Ein schlichter, kleiner Messingreif mit einer kleinen Perle aus rauem Holz.
"Aber Vater, der ist doch nichts besonderes. Und magisch ist er ganz bestimmt auch nicht.", lachte der Kleine unschuldig und blickte mit einem strahlen kindlicher Freude zu dem Mann auf. Mit einem nachsichtigen Lächeln zog er den Jungen auf den Schoß und nahm ihn in den Arm. Dann entwendete er dem Jungen den Ring sanft und hielt ihn gegen das Sonnenlicht, das durch die Fensterscheibe der kleinen Hütte fiel und wisperte:
"Oh doch mein Junge. Alles hat seine eigene Magie und dieser Ring hat sie. Achte nicht auf das, wie etwas aussieht, das lenkt dich nur ab. Sieh mit dem Herzen und schau hinter das, was du siehst, denn dort ist immer mehr als wir glauben mögen." Mit diesen Worten hielt er den Ring mit einer Hand und legte dem Jungen die andere väterlich auf die Brust über seinem Herzen, woraufhin dieser die Augen schloss.
Zerbochen und zerrissen, schmutzig und verbogen lag ein Glitzern im Wasser und ertrank in dem See der Verzwiflung und Einsamkeit. Der Mann starrte darauf herab, die Sicht ebenso verzerrt von den unruhigen Wellen des Wassers wie von den stillen Tränen, die über seine verdreckten Wangen liefen und in den See fielen, den sie gebildet hatte.
Ein wenig vom Ufer entfernt trieb ein weißer Schmenen und weigerte sich hartnäckig in der Tiefe zu versinken und aus den Gedanken des Mannes zu entschwinden. Das weiße, lange Kleid zerriss mit einem lauten Reißen und der Mann zuckte geplagt zusammen, während die weißen Blumen im Haar der Frau welkten und schließlich verfault versanken.
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Ein ausrucksloses Lächeln lag auf den zitternden Lippen des Mannes als er seine tote Frau und den leblosen Jungen in die Arme nahm. Die kalte Wärme der Beiden verlieh ihm nichts als verlorene Freude. Der verräterische Wind umspielte die zerstörte Familie und die vergangene Magie des einsamen Momentes erstrahle finster in seinem leeren Herzen. Er schwor sich vergeblich all dies bitte niemals zu vergessen.
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Ein Klopfen an der Tür lässt den Mann aus dem Wachschlaf aufschrecken und sich hektisch umblicken. Erstaunt wischt er sich eine Träne von der Wange und wundert sich, wo sie nur herkommen mag. Dann kichert er still und heimlich, hüpft zur Eichentür und öffnet sie schwungvoll. "Seid's gegrüßt. Vielerlei nennt man mich und Vielerlei war ich und Vielerlei bin ich!", begrüßt er den verunsicherten Besuch und lächelt.