
Das große Sprachgewirr wartete bereits schon auf den nächsten Abend.
Dirk der Wirt holte seinen Besen hervor, um noch einmal den Boden vom Schund zu befreien. Was anderes viel ihm nicht ein.
Es gab einen Stuhl, welcher auf seiner Lehne lag.
Ansonsten nur die üblichen Verdächtigen: Eduard, Johann und Fritz.
Alle schauten den Tisch so an, als hätte ein treuer Freund das zeitliche gesegnet.
Einer aus der Kindheit, mit dem man seine ganzen ersten Male durchgemacht hatte. Weg.
Johann stützte seinen Kopf ab und Eduard lehnte sich dermaßen auf seinen Stuhl zurück, dass man denken könnte, er wäre auf ihn drauf gefallen.
Fritz malte Kreise auf seinen Bierkrug. Bis jetzt.
Denn er sollte nun etwas tun, was ihn am Tisch den Rang als Rebellen einbringen sollte.
„Duu..“ sagte er „..der Sschulthis is irgenwi nich so..“
Das glich einem Weckruf.
Eduard machte nun auch den Mund auf, saß aber noch weiter wie hingefallen.
„De is'n Oasch.. Dengt wi wär Fieh..“
„Vih!?“ Johann hatte nun doch noch die Kraft dazu gefunden seinen Kopf selbst zu halten.
„Hot er des wiklich geasget?“
Fritz erhob sich, als hätte ihn sein alter Herr dazu aufgefordert.
„Nee, aber de Konrahd is'n Hirt. Keen Verwahlder.“
„En Hirte, also?“ Johann runzelte die Stirn. „Aba waurom den usgerechnet er?
Eduard drehte seinen Kopf zu Johann.
„Wiel de genaso en Oasch is, wi je Groaf!“
Nun musste Dirk dem Tisch doch noch einen Blick zuwerfen.
„He!“ rief er. „Ich verbitte mir in meinem Haus irgendwelche Anmerkungen über den Grafen!“
Eduard sitzt nun nicht mehr länger wie ein hingeworfener Sack.
„Joa wenn Do so redes, bisse wirglich Fieh!“
Als Dirk das hörte blähte, er sich auf wie ein Frosch „Wie bitte!?“
Fritz musste schmunzeln. „Wenn Do jimand soo hindaheläufsst we ein blines Tir, dänn broauhst Du totsechlich en Hirt!“
Dirk rannte mit einem knallroten Gesicht direkt auf den Tisch zu. Er blieb noch rechtzeitig vor der Kante stehen und stützte die Arme in seine Hüfte.
„Es gibt Gesetzte, meine Herren! Sie anzunehmen ist es, was uns vom Tier unterscheidet. Wenn der Schultheiß nun einmal befiehlt, sich nicht so über den Grafen zu äußern, dann. hat. das. so. zu. sein!“
„Abba geb su..“ unterbrach ihn Fritz, „Ih wer duch en bessera Fohgt, els sollch en Hirt..“
„Ach, Papperlapapp.“ sprach Dirk und fuhr mit der rechten Hand an seine Schläfe.
„Ich mache jetzt ohnehin zu. Nun verzieht euch lieber, bevor ihr euch morgen noch in der Bastion wiederfindet!“
Dirk streckte seinen Arm und Zeigefinger aus und wies ihnen den Weg zur Tür.
Fritz kannte die Bastion bereits besser, als ihm lieb ist. Er riss sich von seinem Stuhl los und stolperte dabei fast über seine eigenen Beine. Die Anderen machten es ihm gleich und gemeinsam schlichen sie zur Tür hinaus.
Nachdem der Letzte gegangen war, knallte Dirk diese hinter ihnen zu.
Er fuhr sich durch die Haare und kehrte zum Tisch zurück, während sein Gesicht an Farbe verlor.
Dort angekommen stellte er einen Stuhl auf die Beine, welcher vorhin auf seiner Lehne lag und ließ sich darauf fallen.
Er schloss die Augen und murmelte; „Unser Schultheiß soll ein Hirte gewesen sein, ein Beweis für die Willkür des Grafen.. Als gäbe es sonst nichts zu bereden...“
Er schluckte und schüttelte dabei den Kopf.
„Gerüchte..“
Dirk wischte mit seinem Handrücken den Schweiß von der Stirn und atmete noch einmal tief ein und aus, bevor er aufstand, die Kerzen löschte und sich zu Bett begab;
wartend auf den nächsten Abend.