[Event] Märchenstunde

Was gibt es schöneres an langen Sommerabenden als einer phantasievollen Fabel zu lauschen? Welch Schande es doch ist dass die raubenden Horden im letzten Kriege alle Horte des Wissens niederbrannten und Märchenbücher den gar besten Zunder abgeben…
So horcht auf Gelehrte und Schöngeister der Lande und eilt zur Rettung des Abends heran!

 

 

Die Märchenstunde

Bis zum 1. August könnt ihr eigene Fabeln und Märchen mit maximal 900 Wörtern unter diesen Beitrag posten, um das Geschichtsrepartoire der ottonischen Erzähler aufzubessern.
Ihr könnt Fabeln über sprechende Tiere, Gegenstände oder Märchen und Legenden über die Grafen, Geistlichen und Könige der Lande schreiben. Wichtig ist nur dass die Geschichte von euch kommt, möglichst kreativ ist und natürlich ins Mittelaltersetting passt. Ob die Geschich't eine Moral besitzt oder eher das Gegenteil ist euch überlassen ;)
Viel Spaß!
 

Gewinne:

Alle guten Geschichten können dauerhaft ingame gelesen werden wenn man ein Bücherregal rechtsklickt.

Jeder Teilnehmer erhält einen vergoldeten Bucheinband für sein Charaktermenü Tagebuch, den man nur bei dieser Gelegenheit ergattern kann.

Die Schriftsteller der besten drei Geschichten erhalten den Umhang des Barden. Einen legendären Elytra aus dunkelblauem Stoff, mit dem man allerdings nicht fliegen kann.

 

Beispiele:
http://www.udoklinger.de/Deutsch/Fabeln/Aesop.htm
https://www.reclam.de/data/media/978-3-15-019388-4.pdf
 

Kommentare

Bild des Benutzers Adger_Felton

*Es war einmal eine Krähe und ein Eber im Walde...*


Hallo Eberlein!” krächzte die alte Krähe. “Naa… Scheint mir als wärest du gut über den Winter gekommen!” kreischte die Krähe wieder, während sie laut kratzend zu lachen anfing. Der Eber beugte seinen Kopf und schaute auf den kleinen Flattervogel herrunter, der im Laub und Dreck des Waldes herrumhüpfte. Mit großen Augen starrte er auf den Vogel und drehte sich dann grummelig wie er war um und stapfte in Richtung seiner Schlammkuhle davon. Die Krähe, der es garnicht gefiel wenn man sie ignorierte, flog geschwind dem Eber hinterher und versuchte vergebends, auf sich aufmerksam zu machen. Sie kreischte, krächtzte, piepste und schwirrte um den Eber herum. Dieser brummte nur laut und holte tief Luft, um die kleine Krähe in nächsten Moment mit einem gewaltigen Zug in den nächstgelegenden Busch zu pusten.

Die Krähe wurde langsam stinkig und wollte es dem Eber heimzahlen… Dieser hingegen machte es sich sogleich in seiner Mulde unter einer dicken Eiche im Fichtenwald gemütlich. Die Krähe jedoch flog zur Eiche hinauf und grübelte. Wie solle er nur den Eber bezahlen lassen für seine Tat? Nach einiger Zeit überzog ein böses Grinsen das Gesicht der Krähe. Als die Sonne den Horizont küsste, die Welt in einem tiefen Orange versank und sich die Tiere des Waldes zur Ruhe legten, machte sich die findige Krähe von ihrem Baum aus auf den Weg zum Eber. Die Sonne wart versunken und Sterne sprengelten nun den Himmel. Der schlafende Eber lag während dessen schnarchend und mit monströsem Mundgeruch in seiner Mulde als die Krähe leichtfüßig auf seinem Rücken landete. Die Krähe kicherte in ihren Flügel und flüsterte: “So mein breit schultriger Freund… Diese Nacht wird für dich nun ein Ende finden! Schauen wir doch einmal, wie schnell du wieder zum einschlafen kommen kannst.”

Die Krähe baute sich auf dessen Rücken auf und pickte auf die zähe Lederhaut des Ebers ein. Der Eber grummelte nur und regte sich im Schlafe von der einen zur anderen Seite. Der Rabe piekte an dessen Borsten, doch der Eber wollte sich einfach nicht aus seinem tiefen Schlaf erwachen. Wieder grübelte die Krähe. Sie hüpfte zum Hintern des Ebers und holte aus… Mit Wucht trieb sie ihre Schnabelspitze gegen den Eber. Dieser trat nach hinten aus und welzte sich langsam über die hilflose Krähe. Diese krächzte und kreischte unter dem drohenden Gewicht des schweren Ebers, welches die Krähe zu zerquetschen drohte… Schließlich trat jedoch das Unausweichliche ein und die lauten Krächzer des im Schlamm versinkenden Vögleins verstummten... 

Und der Eber? Der schlief genößlich tief und fest bis in den Morgen hinein.

Its the quest for honor thats make one honorable...

Bild des Benutzers Unbekannter Schreiber

Es war einst ein Prinz in einem kleinen Schloss weit weg von den großen Städten und dem restlichen Königreich. Nur ein keines Bauerndorf voll weiter Felder und kleinen Kotten prägten die Landschaft des großen Königs, des kleinen Prinzen Vaterslein. 
Eines Tages, am langen Tisch in der großen Halle des kleinen Schlosses. Saß der kleine Prinz mit seinem Vater dem König, und seiner Mutter der Königen. Er aß ausgibig vom Ferkel und der Kuh. Er schlürfte seine Suppe und nagte seine Hachsen. Doch den Kohl! Den Kohl rührte er nicht an. Er war ihm zu grün und er stank ihm zu doll. 
Seine Mutter sagte er solle den Kohl essen, oder es gäbe 7 Tage Regenwetter. Doch der kleine Prinz lachte nur und sagte das wäre doch nur ein Märchen. 
Voll entäuschten Blickes schüttelte die Königin den Kopf als der kleine Prinz sich erhob um zu Bett zu gehen.  In der Nacht erwachte der kleine Prinz plötzlich aus seinem Schlaf. Es donnerte, Blitzte, regnete und stürmte nebst seiner Fensterläden. Der kleine Prinz erschrack voll Erfurcht und kroch unter seine Decke. 
In der Früh war des Himmels Anlitz nicht fröhlich freudiger. Es stürmte von Tag zu Tag mehr und mehr. Vom Morgen bis in die Nacht, und aus dem Dunkel wieder in den Tag hinein. 
7 Tage lang zerbrach der Himmel über des großen Königs Königreich. Doch als sich der Sturm nach dem 7 Tag legte, und der kleine Prinz das Schloss wieder verließ sah er erst was der Sturm dem Königreich hinterließ.
Felder waren Überschwämmt und Wege geflutet. Häuser zerstört und Brücken gebrochen. Das Vieh war geflohen und die Bürger bis ins Mark verängstigt. Dem Prinzen ging es nicht besser. So stand sein Schloss noch, aber das machte den Anblick der zerstörten Dörfer nicht wet.
Man baute die Dörfer wieder auf und pflasterte die Wege. Man flickte die Brücken und säate neue Felder.

Und der kleine Prinz vermochte von nun an jeden Abend seinen Kohl zu essen wie von seiner Mutter gesagt...

Ende

Gezeichnet.
Der Unbekannte Schreiber

Ein Buch nie nach seinem Einwand beurteilen

Bild des Benutzers Mammon

 

 

 

Die Kaiserfabel

Die Hochzeit des Grafen stand kurz bevor und man hatte beschlossen ein gar prächtiges Turnier zu diesem günstigen Anlass zu geben. So hatten die Kinder der umliegenden Dörfer den Festplatz mit bunten Bändern geschmückt, der Hufschmied des Grafen schwere Pfeiler in die Tjostierbahn geklopft  und sämtliche Kauf und Schauleute denen die Straße gewogen und die Aussicht auf Gulden hold erschien, machten sich mit ihren kleinen Holzkarren auf den Weg.

So schleppte einer dieser Karren einen großen geflochtenen Korb, in dem sich plötzlich reges Leben auftat.
„Ich habe stets die Meinung vertreten dass es eine gar üble Schwäche des Gemütes ist sich den Rittertitel anzumaßen und dem Treiben der hohen Leute nachzueifern. Man sollte nie vergessen welcher Stand einem gebührt.“ brummte ein in die Tage gekommenes Roggenbrot. „Ihr seid fürwahr eine garstige alte Stulle, die das Träumen unlängst aufgegeben hat!“ entgegnete ein entrüstetes Kaiserbrötchen. „Ich…! So will es mein gottgegebener Titel, bin von blauer Hefe und werde einfältigen Personen wie euch so bald beweisen wie es um meine Fähigkeiten steht, wenn ich die Lanze für die Schwester der Gräfin in den Feinde senke.“
„Jedes Holz hat seinen Wurm und jedes Mehl seine Kleie.“ warf ein nachdenklicher Spekulatius aus dem hinteren Teil des Korbes ein, der sich von all dem Lärm in seinen Kontemplationen gestört fühlte.

Bald war der Karren an seinem Ziel angekommen und der Bäcker hielt ihn hinter einer der Tribünen an um den Schimmel grasen zu lassen während er mit seinen Gesellen für einen ganz ähnlichen Zweck den Bierstand aufsuchte. Mit einem flinken Satz sprang eine kleine Feldmaus auf den Wagen und schlüpfte neugierig zwischen den Körben hindurch.
„Grüß Gott“ drang es kühn aus dem Flechtwerk heraus und kurz darauf kullerte das schneidige Kaiserbrötchen unter der Decke hervor. „Oh guten Tag, so viele Reisende wie heute habe ich noch nie zuvor getroffen. Habt ihr bereits gehört wie wunderschön die werdende Gräfin doch sein so…“, plapperte die Feldmaus verschmitzt drauf los, da sie sich dabei ertappt fühlte unbefugt auf fremder Leute Gefährt herumzuflanieren. „Ich bin ganz erfreut endlich auf eine kultivierte Person zu treffen, die über die Belange am Hofe informiert zu sein scheint. Die Reise musste ich in einfältigster Gesellschaft verbringen. Wie meine Mitreisenden komme ich aus der Provinz, doch haltet dies bitte nicht gegen mich, ich bin von hohem Adel müsst ihr wissen.“ unterbrach das Brötchen stolz den Redeschwall der Maus. „So sagt, könnt ihr mir den Weg zu den Lagern der Ritter weisen? Ich bin noch um einen ordentlichen Knappen verlegen.“ Staunend lauschte die kleine Feldmaus dem Monolog des fürwahr feinen Herrn und begleitete ihn, nachdem er die Umstände seines noblen Standes erläutert hatte, zu der Zeltsiedlung am Rande des Platzes. Als man angekommen ward verabschiedeten sich Brötchen und Feldmaus und die letztere machte einen possierlichen Knicks.

In einem der gestreiften Ritterzelte war ein dicker Junge von etwa zehn und fünf Jahren mit Pagenschnitt und spitzen Schuhen emsig zugange einen prachtvollen Turmhelm zu polieren. So fasste das Brötchen all seinen Mut zusammen, rollte ihm tollkühn vor die Füße und erhob mit barschem Ton die Stimme: „Hört Hört! Ich euer Kaiser, befehle dass ich euch von dem Eid eures Heckenritters löset! Sprecht mir nach Bursche. Omnia decreta ecclesiae et sua praecepta tenere spondeo. Ecclesiam tueri…“ Bevor das Kaiserbrötchen seinen Vortrag des ritterlichen Schwures beenden konnte wurde es aufgehoben, und großzügig mit Butter bestrichen. „An der alten schmutzigen Semmel wollt ihr euch laben? Ihr seid wahrlich ein gieriges Kerlchen.“ Lachte ein stattlicher Junker, der soeben das Zelt betreten hatte. „Seid kein Tor und gebt das den Pferden.“ Und so stapfte der Knappe mit glutroten Ohren hinaus und schob seinen Fund geschwind in das Maul eines gestriegelten Rappen.

Dem Kaiserbrötchen wurde ganz schwindelig als es im Mages des Tieres ankam. Und da es wohl Nacht geworden war, da die Dunkelheit es plötzlich umgab, fasste es den Entschluss vor dem großen Turnier noch eine Mütze Schlaf zu ergattern. Es wurde erst wieder geweckt, als die lauten Fanfaren erklangen und sich alles urplötzlich in Bewegung setzte. Es war noch immer völlig dunkel, doch konnte man nun Hufgetrappel und eine jubilierende Menge ausmachen. Offensichtlich musste der treue Knappe es bereits zu Pferde gelassen und ausgerüstet haben. Denn der scheinbar viel zu große Helm mit dem man es ausgestattet hatte ließ gar keine Sicht zu, dachte das Brötchen. Dieser törichte Bursche würde eine Tracht Prügel erhalten wenn dies hier vorbei war, damit er lerne zu dienen. Auf und ab und auf und ab ging es und das Kaiserbrötchen bereitete sich auf den Aufprall mit dem kontrahierenden Lanzenreiter vor. „KRAAAAAACH“ machte es und die Luft wurde von splitterndem Holz, schepperndem Blech und grölenden Leuten erfüllt. Kurz darauf wurde auch das Brötchen aus seinem Sattel geworfen und landete nun als Pferdeapfel auf der Erde und sah zu wie sich ein großer Ritter in schwarzer Rüstung wenige Meter entfernt mit einer, pardon nein, seiner Lanze in der Brust im Todeskampf quälte.

Erneut hatte der Kaiser gesiegt und die Glorie des edlen Turnierstreites für sich entschieden. Nichts konnte dieses Hochgefühl trüben, nicht einmal die unvorsichtige Hofdame die in den Haufen trat und voll Ekel aufschrie.

Ende

"Chaos isn't a pit. Chaos is a ladder."

Bild des Benutzers Jacob_Hamsworth

Das Märchen vom emsigen Köhler

Es hat sich einst zugetragen, dass die Lande mehr Kohle für die harten und eisigen Winter brauchten. Jene Winter waren berüchtigt für ihre langanhaltende Kälte, die zügigen Winde und gnadenlose Härte. Jedoch war auch der Fürst dieser Lande, ein Mann welcher weder Freude noch Gnade kannte, eiskalt um sein Herz, was wie von einem Panzer aus Eis ummantelt war.
Manch eine Seele wagte es zu behaupten, dass der Fürst einen Bund mit der Hexe einging, um mehr Reichtum zu erlangen und die Vorkommen an Steinkohle zu füllen, die längst erschöpft waren. Damals, so munkelt man, war der barmherzige Fürst zu gutgläubig und ließ sich auf den Bund ein, ohne sich den Folgen seines Handelns bewusst zu sein. Die Hexe hielt ihren Teil der Abmachung und schenkte ihm Reichtum. Sie verzauberte seine Frau und Sohn. Der Sohn wurde zu einem Stück Kohle und die Frau zu einem Diamanten verwandelt.
Der Fürst verlor seither jene Güte und herrschte ab diesem Zeitpunkt mit eiserner Faust über seine Ländereien. Seinen Verlust hat er nie verkraftet. Solch einen hohen Preis war er nicht bereit zu zahlen. Er verfluchte diesen Tag, an dem ihm das genommen wurde, was ihm am wichtigsten war.
All das hat sich noch während des Sommers ereignet, all die Bauern schon so manche Apfelbäume abernteten und sich mit Holz eindeckten für den kommenden Winter. Abseits der Bauerngüter erstreckte sich ein weitläufiger Wald, der zahlreiche Baumarten umfasste. Riesige Eichen, Buchen und Linden schmückten diesen Wald mit ihren voluminösen Kronen. In diesem Wald ließ sich vor Jahren schon ein Köhler nieder. Dieser heitere Geselle hauste hier mit seiner wechsellaunigen Gattin und seinen zwei Kindern in einem urigen Hof. Seit Generationen wurde dieses Gehöft weiter gegeben und somit auch die Tradition der Köhlerei. Diese Tätigkeit erbrachte der Familie einen kleinen Gewinn, wodurch sie ein annehmbares Leben abseits der restlichen Untertanen führten.

Als der Sommer sich dem Ende neigte, kamen einige berittene Männer an den Hof des Köhlers. An ihrem Antlitz war zu erkennen, dass es sich um Soldaten des Fürsten handelte. Einer der Männer sprach zu dem Köhler, er soll mehr Holzkohle herstellen für den folgenden Winter, sodass kein Mensch mehr Leiden muss im Fürstentum. Der Köhler, der es sich nicht aberkennen ließ, dass ihm diese Aufgabe womöglich unmöglich erschien, schmunzelt. Er gab zu verstehen, er sei nicht in der Lage solch eine riesige Aufgabe zu bewältigen, wie auch mit nur zwei Händen. Die Soldaten nahmen daraufhin die Frau und die Tochter des Köhlers. Sie sagten, er soll der Aufgabe nachkommen, sonst sehe er seine geliebte Gattin und Tochter nie wieder. Der Köhler der seine Tränen nicht zurückhalten konnte brach zusammen und hielt sich die Hände in das von Staub verschmierte Gesicht. Sein Sohn tröstete ihn, mit einer zögerlichen und doch herzlichen Umarmung. Die Tage verstrichen im Gehöft, durch die unaufhörliche und schweißtreibende Arbeit. Die Meiler qualmten durchgehend, wodurch sie der sonst so idyllischen Waldluft eine miefende Note gaben.
Dem Himmel stiegen täglich immer größere Rauchschwaden entgegen. Der Köhler und sein Sohn scheuten die Anstrengung nicht und luden die Holzkohle nun auf das große Pferdegespann, was von zwei gutgefütterten Rappen gezogen wurde. Die Fahrt durch den Wald beschwerte ihnen einen Moment der Ruhe, bis eine Kreatur vor ihrer Fuhre stand. Die Pferde machten schlagartig Halt und das Gespann kam zum Stehen. Ein schwarzer Mantel, der recht elegant aussah und feines rotes Haar war zu erspähen. Die Gestalt dreht sich dem Köhler zu und fragte wohin er sich begebe. Seine Antwort ließ nicht lange auf sich warten, auf dem Weg zum Fürst, entgegnete er der weiblichen Gestalt. Nach einem kurzen Geplänkel bot er ihr an, da sie denselben Weg einschlagen wollte, sie an den Hof des Fürsten zu nehmen.

Als die Rappen die lange Strecke bewältigt hatten, erreichten sie die Pforte der Burg. Dort empfing sie der Vogt des Fürsten, welcher mit weiten Augen auf die große Menge der ersten Fuhr starrte. Sogleich wurde er dem Fürsten vorgeführt. Dieser fragte ein wenig forsch, wie viele Karren noch folgen würden. Im selben Moment antwortete der Köhler, es folgen noch vierzehn weitere Gespanne und weitere werden folgen, noch ehe der Herbst sich dem Ende neigt. Dem Fürst war ein leichtes Schmunzeln anzusehen und freute sich sichtlich über die gute Kunde. Der Köhler wollte nun wissen, ob seine Frau und Tochter nun wieder zu ihm können. Da sprach der Fürst, gegen die Erwartungen aller, dass die Beiden hereingeführt werden sollen. Der Köhler erblickte das liebliche und vor Freudentränen überströmte Gesicht seiner Frau, welche ihm um den Hals fiel, wie seine Tochter. In diesem Augenblick blieb kein Auge tränenleer. Selbst den sonst so kalten Fürsten rührte es und ihm quoll eine Träne aus dem Auge. Die emotionale Still wurde durch einen lauten Knall gestört. Alle sahen sich um, auch der Fürst und als er sich gemächlich umdrehte erblickte er das Gesicht seiner Frau und seines Sohnes. Ein Freudenschrei kam aus seinem Hals und sie fielen sich in die Arme. Genau zu diesem Zeitpunkt sah man ein helles Licht und die weibliche Gestalt, entpuppte sich als die Hexe, die der Sage nach vor Jahren am fürstlichen Hofe war. Sie begann das Wort zu ergreifen. Da ihr nun Mitgefühl, Güte und erstmals Gnade als Mann erwiesen habt, so sei der Bann gebrochen. Fortan regierte nun der Fürst wieder mit Gnade über sein Reich und überdauerte noch zahlreiche Winter in diesen Landen.

Ende

Bild des Benutzers Mammon

(Die Geschichte von Linatonia, die keinen Forenacount hat.)

Die Geister der Dürre

 

Rauch zog auf, dunkle Schwaden stiegen in den Himmel und verfinsterten die Sonne, welche nur als rötliches Schimmern durch die Rauchwand brach. Die Luft stank erbärmlich und es raubte einem den Atem. Noch glühend lagen die verkohlten Häuserteile auf dem Boden, versenkten Grashalme, Boden und totes Fleisch. Selbst die Dorfkapelle lag in Schutt und Asche. Eine tödliche Stille lag über dem zerstörten Dorfe, nicht einmal die Vögel zwitscherten. Nur eine Krähe scharrte in der Erde des Marktplatzes und wirbelte den feinen Staub auf, welcher sich auf Holz, Stein und Erde gelegt hatte. Ein jeder versuchte zu fliehen und wer sich nicht retten konnte, wählte einen schnelleren Tod, als von den grausamen, grellen Flammen verschluckt zu werden. Verbrannte Kinder lagen in den Armen ihrer toten Mütter, begraben unter Dachbalken und Wänden, eingesperrte Tiere fielen dem Flammenmeer zum Fraße vor und die Ernte lag verkohlt auf den Feldern. Es war ein gar fürchterlicher Sommer, was nicht in Flammen aufging, verdorrte. Die sonst so üppige Ernte wurde von der brennenden Hitze zerstört. Eine Dürre, wie man sie seit Menschengedenkens nicht erlebt hatte. Bäche trockneten aus, Flüsse wurden schmaler, selbst durch die Großen konnte man zu Fuß waten.

In den Kirchen beteten die Menschen und wer konnte schöpfte sich ungesehen mit den Händen das Weihwasser aus dem Becken, denn das noch vorhandene Wasser war grüne Brühe, welche von Fischen durchbrochen wurde, die tot in den Flüssen und Seen trieben. Die Priester predigten und beteten um Gnade und während der Herzog weiterhin unbarmherzig den Zehnt einzog, litten die Menschen unter der sengenden Hitze. Schon bald gab es Unruhen. In den Dörfern brodelte neben Hunger und Durst der Unmut. Wer noch genug Kraft in den Armen hatte, griff zu Äxten und Mistgabeln. Die Gemeinden schlossen sich zusammen und ein Aufstand von gewaltiger Brutalität nahm seinen Lauf. Wein wurde billiger als Wasser und einige Dörfer begannen sich untereinander um Tümpel und Seen zu bekriegen. Die Hitze forderte viele Opfer, machte weder vor fromm noch reich halt. Die wutentbrannte Horde von Bauern zog durch das gesamte Herzogtum, und wer sich ihnen nicht anschloss, war dem Tode geweiht.

Es war eine finstere Nacht, als die Soldaten des Herzogs auf die Reihen der Aufständischen trafen. Markerschütternde Schreie durchzogen die Dunkelheit und der Boden färbte sich rot von dem Blute der Gefallenen. In diesem wahrlich grausigen Gemetzel, konnte keiner erkennen, wer wer war. Freund fiel Freund in den Rücken und Bauer tötete Bauer. Ein einziges Chaos brach aus, der Boden war bedeckt von Leichen und Verletzten. Das Keuchen der angestrengten Masse übertönte das Stöhnen der Verwundeten,das laute Bersten der Knochen durchdrang einen und ein jedem grauste es in diesem Elend. Viele ergriffen die Flucht, stolperten über Pferdeleichen und Baumstämme, doch die stählernen Schwerter der herzoglichen Soldaten waren unbarmherzig. Unnachgiebig verfolgten sie die fliehenden Bauern, der Aufstand schien niedergeschlagen, so zumindest schien es. Die Bauern verfluchten den Herzog, sie würden ihn heimsuchen und seine Seele dem Höllenfeuer überlassen. Sie waren auseinander getrieben worden, und wurden nacheinander niedergemetzelt.
Als die Sonne aufging, und den Morgen blutig rot färbte, sah man erst die Grausamkeit der Schlacht. Was die Dunkelheit verhüllt hatte, wurde nun sichtbar. Aufgespießte Leiber steckten im Boden, Menschen waren unter Pferden und Leichenteilen begraben, und den Verwundeten fehlten die verschiedensten Gliedmaßen. Es war ein blutiger Anblick, ein

Exempel an die Bevölkerung, mit Stahl und Blut statuiert. Die Schergen des Herzogs suchten unter den Trümmern nach Überlebenden, erlösten die Verletzten von ihrem Leid, und nahmen mit, was nicht niet und nagelfest war. Schon bald kreisten die Geier über dem sumpfigen Feld. Die Zeit verging und die verwesten und zerhackten Gesichter der Menschen wurden eins mit der Erde. Es dauerte noch einige Wochen, bis es zum ersten Mal seit Monaten regnete. Ein Geschenk des Himmels, das einfache Volk lobte und pries Gott für seine Wohltaten, und schon bald geriet der Aufstand in Vergessenheit. Vergessen, die Männer, welche für sie kämpften, für ihren Frauen und ihre Kinder, ihr Zuhause und ihr Leben. Vergessen das Elend, das Leid und die Grausamkeit des Herzogs. Vergessen der Verlust, der Durst und der Hunger. Doch nachts hinter verschlossenen Türen, erzählte man von ihnen und dem Fluche, welcher auf dem Herzog lasten sollte. Ihm den Schlaf und die Lebensgeister raubt. Die Monate vergingen, aus Jahren wurden Dekaden und die Geschichte wurde zur Legende. Der alte Herzog war längst verstorben, begraben in einer kühlen, dunklen Gruft. Doch trotzdem munkelt man von ihnen, den aufständischen Bauern, welche auch nach dem Tod die Herzogsfamilie versuchten heimzusuchen. Sie lauern in den Ecken, dort wo es so finster ist, dass man die Hand vor Augen nicht sehen kann. Jeden sollen sie angreifen, von Wut und Hass genährt. Die Seele des Grafen schmort nun schon seit mehreren Jahrhunderten in der Hölle, doch die Geister der toten Bauern sollen noch heute herumgeistern, in den Wäldern und Dörfern, auf den Schiffen und unter den Betten und jeden heimsuchen, der in der Nähe ist. Doch das ist ja nur ein altes Märchen, um kleine Gören zu erschrecken, nicht wahr?

"Chaos isn't a pit. Chaos is a ladder."