[Tagebucheintrag] #2 Nikolas

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23.10.

Seit meiner Ankunft in Waldfurt ist nun einiges an Zeit ins Land verstrichen. Ich kenne die Wege des Dorfs und die Gänge der Burg mittlerweile sehr gut, selbst in den immer gleich aussehenen Stollen der Mine finde ich mich beinahe blind zurecht. Das wird wohl daran liegen, dass ich diese nun seit der Fertigstellung meines Hauses gestützt und weiter ausgebaut habe. Manch ein Minenarbeiter hat sich bereits bedankt, dass er nun selbst in den entlegenen Stollen nicht mehr um sein Leben fürchten muss, wenn er sein täglich Brot verdient. Auch über meine zweite Tätigkeit, die Aufrechterhaltung der Ordnung im Lager, haben sich einige posiiv geäußert.

Mein Haus, welches ich eben ansprach, hat eine für mich sehr genehme Lage: Das örtliche Gotteshaus ist keine 100 Fuß entfernt! Das eignet sich perfekt für meine stündlichen Gebete.

Allerdings muss ich zugeben, dass seit einigen Tagen die tägliche Routine an meinem Leibe nagt. Auch Spaziergänge zu den benachbarten Dörfern haben jeglichen Reiz ausgeschöpft. Von allem Möglichen habe ich bereits Zeichnungen angefertigt. Es drängt mich fort von hier, auf eine Reise in die Welt.

 

24.10.

Ich befand mich auf dem Schlachtfeld, meine Gefährten und ich standen auf einen Hügel, machten uns kampfbereit, um gegen eine Gruppe eines gegenüberliegenden Hügel zu kämpfen. Wir sind zahlenmäßig deutlich überlegen. Die Männer neben mir trugen Fahnen mit Kreuzen. Ihre Blicke waren von Stolz erfüllt... Nein, Überheblichkeit trifft es eher. Ein Mann vorne, wahrscheinlich unser Anführer, gibt seinen Kampfschrei von sich und stürmt nach vorn, wir folgen ihm. "Los, zeigen wir's den Ungläubigen! Tod den Heiden!" brüllten sie.

Wir nährten uns dem Feind. Auf einer erhöhten Position wartend spannten sie ihre Bögen. -Sie schossen-

Wir fiehlen wie die Fliegen. Ein Massaker. Der Himmel färbte sich blutrot. Das Zischen der Pfeile und das leiderfüllte Schreien der Gefallenen verstummte. Die Zeit schien stillzustehen, als plötzlich ein grell leuchtender Pfeil direkt auf mich zuflog...

Ich wachte am Schreibtisch auf. Es war nur ein Traum. Ich wischte mir den Schweiß aus dem Gesicht. Vor mir lag Papier, meine Karte und ein Stift. Stimmt, ich hatte gestern Abend angefangen, meine Reise zu planen. Ich stand vom Stuhl auf und legte mich ins Bett.

Aber ich konnte nicht schlafen. Ich fand keine Ruhe. Auch kurz vor Mitternacht nicht. Also ging ich aus dem Haus. Eine Runde spazieren.

Als ich auf dem Rückweg an der Kirche vorbeikam, bemerkte ich, dass die sonst immer verschlossene Tür zum Treppenhaus des Glockenturms offen stand. Ich bestieg den Turm. "Nach den Rechten sehen. Ich will nur nach den Rechten sehen" redete ich mir ein, um meine Neugier zu rechtfertigen. Beinahe ganz oben angekommen schaute ich aus dem Turm. Wunderschöne Aussicht. Ich machte mir auf einem Stück Papier eine grobe Skizze, um es später in Ruhe auszuzeichnen. Plötzlich fiehl mir der Stift herunter. Aber je länger er fiehl, desto langsamer wurde er, bis er schließlich in der Luft zum stehen kam. Die Zeit ist wieder stehen geblieben. Aber diemal spürte ich kein beklemmendes Gefühl, sondern Erleichterung. Ich könnte es mir auch nicht erklären, aber irgendetwas schien mich zu rufen. Von der Spitze des Turms aus. Ich bestieg also den Rest des Turms. Mit einer wackelnden Leiter im stockfinsteren Gewölbe.

Oben angekommen... War da niemand. Nichts. Absolut nichts. Ich wollte mich bereits die Leiter wieder hinunter quälen, als plötzlich hinter mir sehr hell wurde. Ich drehte mich um. Im Gebirge ganz weit im Norden strahlte ein Lichtkegel. Auch ohne eine Nachricht verstand ich das Zeichen sofort: Ich soll in die Berge reisen.

Bild des Benutzers Arthur_Ashford

gute Schreibweise, gefällt mir

Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.